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Leer

Die verpassten Chancen am Hindukusch

von Sebastian Bete
10. März 2010

Experten diskutierten in Leer über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Rund 60 Gäste waren zu der Veranstaltun ggekommen. Am Rednerpult standen Kommandeur Dr. Stephan Schoeps und Winfried Nachtwei, ehemaliges Mitglied des Bundestages. Sie sagen, dass das Problem nur mit Soldaten nicht zu lösen sei.
Gespannt verfolgten die Besucher die Diskussion zwischen Oberstarzt Dr. Stephan Schoeps (links), Kommandeur des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst "Ostfriesland" in Leer, und Winfried Nachtwei, ehemaliges Bundestagsmitglied der Grünen.
Bild: Bete
Leer - Spätestens, als die Rede auf die Bombe im Eselkarren kommt, ist allen Gästen klar: Oberstarzt Dr. Stephan Schoeps ist an diesem Abend nicht in den Festsaal des Leeraner Rathauses gekommen, um über Wunschvorstellungen zu sprechen, um Illusionen nachzuhängen. Ganz im Gegenteil. Der Kommandeur des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst "Ostfriesland" in Leer findet deutliche Worte zum Einsatz seiner Männer am Hindukusch. Er sagt: "Das Problem Afghanistan ist nicht alleine militärisch zu lösen." Neben Schoeps steht Winfried Nachtwei, ehemaliges Bundestagmitglied der Grünen und Afghanistan-Experte. Er sieht die Lage ähnlich. Am Dienstag diskutierten Nachtwei und Schoeps vor 60 Gästen. Das Thema: "Deutsche Soldaten in Afghanistan". Moderiert wurde der Abend von OZ-Chefredakteur Uwe Heitmann.

Schoeps war selbst zweimal in Afghanistan. 2003 und 2009. Die Bilder, die er von seinem Aufenthalt skizziert, könnten unterschiedlicher nicht sein. 2003 sei man noch mit offenen Lastern durch Kabul gefahren, Kinder hätten gewinkt, freundlich gelächelt. Jetzt rollen gepanzerte Fahrzeuge durch die Straßen, überall könnten Bomben versteckt sein - auch in Eselkarren, hinter Wasserkanistern. "In manchen Städten ist an Aufbau nicht mehr zu denken. Es ist viel zu gefährlich", sagt Schoeps. Um die Sicherheit zu gewährleisten, müssten mehr Soldaten eingesetzt, auch mehr Polizisten ausgebildet werden.

Der Experte nimmt das Auswärtige Amt in die Pflicht

Doch genau dies sei ein Problem. Die Löhne der Polizisten seien mies, die Ausstattung schlecht. "Da zahlen die Taliban mehr", sagt Nachtwei, für den die Sicherheit im Land an erster Stelle kommt. Nur so könne Wirtschaft entstehen, die Arbeitslosigkeit sinken. Dann hätte man die Möglichkeit, etwas zu bewegen. Diese Gelegenheiten müsse man dann jedoch auch nutzen. "Viel zu viele Chancen wurden bereits verpasst", sagt Nachtwei. Am Anfang hatten sich die Gegner noch nicht formiert, sei die Bevölkerung offen gewesen. "Aber", sagt Nachtwei, "die Aufgabe Afghanistan wurde grandios unterschätzt."

Immer wieder nimmt der Experte, der selbst 14 Mal in Afghanistan war, auch das Auswärtige Amt stärker in die Pflicht. Er spricht von mehr Personal, davon, dass man verhindern müsse, dass der Einsatz zu einem Desaster werde. Denn mittlerweile verliere man in einigen Regionen immer mehr den Kontakt zur Bevölkerung. "Früher sind wir zu Fuß durch die Straßen gegangen, daran ist jetzt nicht mehr zu denken", sagt Schoeps. "Die Realität ist, dass in Kundus Krieg geführt wird. Soldaten werden angegriffen, Menschen getötet. Da gibt es keine Gespräche mit den Taliban, auch nicht mit den gemäßigten." Aber genau da müsse man hin. Dafür seien jedoch ganz speziell geschulte Kräfte nötig. Menschen, die die Sprache sprechen, die sich mit der Kultur des Landes genau auskennen. "Am Anfang war von diesen Kräften gar keiner da", sagt Nachtwei. Wieder eine dieser verpassten Chancen am Hindukusch.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Donnerstag, 11. März, in der Ostfriesen-Zeitung.

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Leser-Kommentare:
georg blume schreibt am 13.03.2010:
Der ami pfeift aus dem letzten loch und möchte uns mit herein reissen. wir können uns selber helfen um weiterhin in frieden zu leben. soll er die hartdrogen verbrauchen. der ami will unser bestes, hochtechnik, zum sonder preis um es mit schrott zubezahlen. die EU schwächen indem wir die türkei (andersgläubige) aufnehmen. lieber rußland in die EU. da sind friedlebende leute die uns näher sind. sogar meyer darf hoffen wieder gastanker zu bauen anstelle von leutefrachter.
Tilo Damm schreibt am 10.03.2010:
Die Russen konnten damals in Afghanistan schon nicht siegen.
Die " nationale Schande " hat den Untergang der Sowjetunion eingeleitet.

Die " glorreiche Sowjetarmee " ist mit einer Armee bewaffneter Stroche nicht fertig geworden, um dann dem Iran das Erdöl ab zu zapfen. Die Idee war zwar sehr gut, aber offenbar erfolglos.

Einen Partisanenkrieg in so einem Land gewinnt man nicht,
auch wenn die Taliban mit Sicherheit keine Elite-Einheit sind.

Doch wo der Russe sich schämt, läßt der Ami sich noch feiern !

Wir haben uns, dank der USA, in einen Krieg reinziehen lassen.

Was ist jetzt in Afghanistan besser geworden ? Hat man etwa die und den bösen Taliban "befriedet" und Afghanistan kulturell und wirtschaftlich so rund - erneuert, wie unsere geliebte DDR ?

Die Paschtunen sind uns ungnädig. Wollten wir hier denn etwa noch - die Kanadier aus dem 2.Weltkrieg - als Besatzer haben ?

Die USA sind Weltspitze.

Ja durchaus ! Im Verlieren von Partisanenkriegen wie in Korea Kambodscha, Kuba, Viertnam und wie bald in Afghanistan.

Der Krieg dient der Rüstungslobby und dem " schweren Amt "
der " NATO- Planstellenbeschaffer / Sollstärken- Rechtfertiger. "

Der Steuerzahler ja will wissen, wie man für den Unfug der Befriedung der weltgrößten Schrott - Müll - Geröll - Deponie
diesen immensen Rüstungsetat rechtfertigt.

Der nächste Krieg ist am Pol :
Schrotthaufen Neumeyer I gegen die Russen sichern.

















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